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Weimar. (tlz/Gö) Ronen Eidelman ist von
ganzem Herzen Israeli, und mit seiner Familie, die hoch angesehen in
Jerusalem lebt, aufs Engste verbunden. Und dennoch beobachtet der
36-jährige Künstler, gerade weil er Künstler und besonders sensibel
dafür ist, die Politik Israels wie die anderer Staaten äußerst
kritisch. Schon immer hinterfragte er Staats- und Nationendenken und
zeigte auf, wie willkürlich es ist.
Völlig willkürlich ist für ihn auch die Idee des iranischen
Präsidenten, Österreich und Deutschland mögen einen Teil ihres
Territoriums für einen jüdischen Staat zur Verfügung stellen. Als
sozial engagierter Künstler hat er den absurden Vorschlag aufgegriffen,
ihn konsequent zu Ende gedacht und die Bewegung "Medinat Weimar"
gegründet. Sie setzt sich für die Etablierung eines jüdischen Staates
in Thüringen ein - mit Weimar als Hauptstadt. Die Polit-Simulation -
nach anderthalbjährigem Studium seine Abschlussarbeit zum "Master of
Public Arts" an der Bauhaus-Universität Weimar - stellte Ronen Eidelman
gestern zunächst bei einer Kundgebung auf dem Theaterplatz vor, danach
bei einer Konferenz im Palais Dürckheim, in die die Verteidigung der
Arbeit vor den Professoren der Universität integriert war.
Auf dem Theaterplatz, wo jüdische Musik, aber auch Transparente wie
"Koschere Bratwurst jetzt!" oder "Auch die Diaspora braucht ein
Zuhause" die Passanten trotz der Hitze neugierig machten, stellte Ronen
Eidelman mit Freunden sowie mit Unterstützung der Gerberstraße die 13
Thesen zu "Medinat Weimar" vor und klar, dass die Bewegung nicht
praxisorientiert, sondern ein Versuch ist, Anregungen zu geben und
provokante Fragen zu stellen, die Widersprüche antisemitischer,
nationalistischer und zionistischer Argumente offenbaren und ihre
innere Absurdität aufzeigen. Letztlich will "Medinat Weimar" erreichen,
was gestern im Kleinen auf dem Theaterplatz demonstriert wurde: ein
friedvolles Miteinander von jüdischen, muslimischen, ja: von Menschen
aller Religionen und Nationen. Die Befürchtung, Vertreter der rechten
Szene könnten sich durch das Kunstprojekt, das als solches nicht auf
den ersten Blick zu erkennen war, so provoziert fühlen, dass sie
dagegen demonstrieren oder gar die Akteure attackieren, sollte sich
nicht bestätigen. Die zweistündige Veranstaltung lief frei von
Störungen ab. Von der Idee begeistert, mit "Medinat Weimar" könnten
alle Weltprobleme auf einmal gelöst werden, fanden sogar die
bereitgestellten Buttons Abnehmer. - Die Bauhaus-Universität, die das
Projekt als problematisch im Hinblick auf die deutsch-jüdischen
Beziehungen bewertet und sich von ihm distanziert hat, hob ihre
Vorbehalte nicht auf. Doch immerhin erkannten die Professoren seinem
Urheber gestern den angestrebten Abschluss zu. 22.06.2008 |